Mittwoch, 1. April 2009

Mystische Wege oder Weg zur Mystik

1. Die alten Weisen

Die alten Weisen rieten,
sich nicht in der Menschengetriebe und Weltenlauf zu verlieren.
Nicht in der Welten Unrast liege das Glück, nicht außerhalb des Menschen.
Erkenne dich selbst!
Alte Weise rieten, kehre ein in dich selbst.
Vergiss die Welt!
Vergiss die Menschen!
Alte Weise rezitierten würdevoll, die von ihren Meistern und deren Meistern gelernten Ursätze, der Geistesmenschen:
Leidenschaften, so sagten sie, seien Eigenschaften, die Leiden schaffen.
Kehre ein in dich selbst, um zu erkennen!
Alte Weise rieten, die Mauern der inneren Burg zu durschreiten, - abzusterben allem menschlichen, um das göttliche im innersten Heiligtum zu finden.
Sieben Mauerringe habe die Burg, mit sieben Toren, mit herrlichen Zinnen, um den Angriffen der Feinde, des Feindes standzuhalten.
Dem, welchem es gelänge, die Tore zu durchschreiten, die Mauern zu überwinden, dem würden tiefstes Glück und Freiheit aufwarten.
Man glaubte den alten Weisen und versuchte, ihrem Rat zu folgen.
Mauer um Mauer wurde durchschritten. Hart waren die Kämpfe gegen den Feind. Wunden wurden geschlagen und man verwundete selbst.
Mit jedem Sieg wurde man des alten Feinds ledig, entledigt.
Man verließ immer mehr die Welt, je mehr man sich dem innersten Kern der Burg näherte.
Man fühlte nicht mehr, man weinte nicht mehr, man empfand nicht mehr, man litt nicht mehr. Alles wurde immer mehr abgetötet, das Herz kannte kein Begehren und kein Sehnen, kein Leiden und damit auch keine Leidenschaft mehr.
Das letzte Tor galt dem schwierigsten Kampf, nämlich der Unterdrückung jeglichen Wunsches nach dem Erkennen dessen, was dahinter, im Allerheiligsten des Tempels verborgen war. Dieser letzte Kampf verlangte vom Helden das verborgen Göttliche nicht zu begehren. Alles Verstehen, alles Begehren, alles Wünschen und Lieben würden den Menschen hineintragen in den göttlich, allerheiligsten Raum, ihn entweihen, beschmutzen, entheiligen.
Entmenschlicht, entfühlt, entgeistigt, entseelt und gefühllos hat man ins Allerheiligste einzutreten. Nur so vermag man dem Übernichts, dem Allgeist, dem Allsein, dem puren Intellekt, dem puren Geist zu begegnen. Wer ihn schaut muss sterben.
Der Mensch wusste aber, dass solche Menschen bereits lebendige Tote waren bevor sie in das Allerheiligste der alten Weisen eintraten. Es waren entmenschlichte und entherzte Geister, die sich selbst tötend, in menschlichen Körpern gefangen, der eigenen Vernichtung entgegenschleppten.
Der letzte Feind, den der Mensch zu überwinden hatte, war der Mensch!



2. Die Marktschreier der Menschlichkeit

Doch neben den alten Weisen, waren da die Marktschreier der Menschlichkeit.
Eroberung, Entdeckung, Neuerung und Fortschritt hießen sie den Weg des Heiles.
Erkenne dich selbst!
Bewege die Welt, werde Welt!
Die Marktschreier rieten dazu auszukosten, auszuschöpfen, wozu der Mensch fähig wäre.
Lebe die Leidenschaft und erlebe den Menschen!
Die Marktschreier belehrten, dass Geist und Seele den Menschen zum wahren Fortschritt hinderlich seien.
Berechnung ohne Verantwortung!
Verantwortungs-los voranschreiten, hinein in die Zukunft, in die neue, die bessere Welt.
Man braucht nur immer neu die Grenzen zu überschreiten, damit man erkenne,
zu welchen Taten der Mensch fähig wäre.
Die am höchsten angepriesene Tugend der Marktschreier war die Unersättlichkeit, die unstillbare Gier, nach immer noch mehr, nach immer neuem, nach dem Fortschritt.
Man setzte die Segel, wartete auf günstige Winde um sich auszustrecken nach den neuen Welten.
Alle Welten schienen dem Menschen zur Eroberung gegeben,
alle musste er ausbeuten,
melken bis zum letzten Tropfen,
austrinken bis zum versiegen.
Angelangt an den Grenzen des zu erobernden,
den Kreis des Möglichen schließend,
musste der Mensch beginnen, sich gegen sich selbst zu wenden.
Dies war der Höhepunkt der Macht, seiner Göttlichkeit.
Dieses letzte Reich muss man sich alles kosten lassen!
Der Mensch tötete,
vom Töten nicht genug begann er zu morden,
vom Morden nicht mehr satt werdend begann er zu Tode zu quälen.
Nur entmenschlicht, entfühlt, entgeistigt, entseelt und gefühllos vermag man ins Allerheiligste der Marktschreier der Menschlichkeit einzutreten. Nur so vermag man der ungetrübten Menschlichkeit, dem puren Gefühl, der puren Lust, dem reinen Vergnügen, der kristallklaren Leidenschaft zu begegnen. Wer sie erlebt muss sterben.
Der Mensch wusste aber, dass sie bereits lebendige Tote waren bevor sie in das Allerheiligste der Marktschreier der Menschlichkeit eintraten. Es waren entmenschlichte und entherzte Leiber, die sich selbst tötend, in menschlicher Gestalt gefangen, der eigenen Vernichtung entgegentrieben.


3. Mensch

Wer sich selbst erkennt, erkennt nicht den Menschen!
Wer sich selbst,
aus sich sich selbst heraus
oder in sich selbst zu erkennen versucht,
wird sich verirren, verwirren und in sich selbst verstricken.
Der Mensch lichtet sich am Du!
Ich lichte mich am Du, - am mich liebenden Du.
Nur das Du kann entdecken wer ich bin, -
wir lichten uns gegenseitig aneinander.
Nur am Du erkennt das Ich den Menschen.
Nur am geliebten Du, erkenne ich mein Herz,
dessen Liebe, dessen Trauer,
seine Höhen und Tiefen,
sein Zerreißen und Jauchzen.
Durch den Anspruch des Du wird mein Geist geweckt,
wir er rege,
lebendig,
erfinderisch und schöpferisch.
Durch die Berührung des Du regt sich in mir
alles Fluten und Wogen der Leidenschaften und Gefühle.
Es ist das Du an dem sich das Leben entzündet.
Das Du macht das Ich zum Liebenden, - macht es zum Menschen.
Ich und Du erkennen sich, erkennen sich in Liebe
und werden wahrhaft Mensch.

1 Kommentar:

Markwin von Risech hat gesagt…

Ist irgendwie in Anlehnung an die dialogische Philosophie (Ebner, Buber & Co.) entstanden.