Da lag er nun.
Er lag da.
Er-lag.
Ausgebrannt und fertig, lag er da.
Doch zuvor ist er ihr erlegen.
Sie.
Er schluckte, schluchzte. Sie!
Ja, für dieses eine Mal! Ja, für diese kurzen Momente hatte sich das Leben gelohnt.
Er war käuflich, aber nur für ein einziges Mal. Er war zu haben, einer unter Vielen. Und trotz alledem war er einzigartig. Es gab ihn nur ein einziges Mal und er wollte, dass die Stunde seines Schicksals, die Stunde seines gekauft-Werdens, die Stunde in der man ihn voller Lust, voller Leidenschaft, ja gerdazu süchtig, hemmungslos entflammen wird, dass diese Augenblicke einzigartig sein mögen, dies war sein Traum, sein Wunsch, sein Wunschtraum.
Es kam für ihn wie es kommen musste, worauf er aber auch unheimlich angespannt wartete. Wer wird es sein? Aber vor allem, wie wird es sein? Feurig? Leidenschaftlich? Lustvoll?
Zarte Finger berührten ihn. Er roch das Parfum, - war berauscht, betört von diesem Geruch. Sarahu! Ja, Sarahu musste dieses Parfum heißen. Geheimnisvoll, süßlich, aber nicht niedlich, sondern gleichsam mystisch offenbarend war der Geruch, also genau so wie das Wort Sarahu. Er hatte noch nie von diesem Sarahu-Parfum gehört, er wusste nicht ob es überhaupt ein solches gab. Sarahu, das war einfach jenes Wort, welches ihm automatisch, geheimnisvoll, geisterhaft in den Sinn schoss.
Ihre Finger, ihre Hände, sie waren wunderschön, weiß, echte Piano- bzw. Geigenhände. Sie zögerte nicht ihn zu berühren, - zart und weich, vorsichtig. Nur sie schien zu ahnen wie zerbrechlich er eigentlich war, dass es gar nicht viel bedurfte, um ihn im Innersten zu knicken. Ihre Augen ruhten auf ihm, blickten ihn von oben bis unten an. Er wollte erröten, riss sich aber dann zusammen, blieb ruhig, blieb mannhaft. Dann sah er es in ihren Augen blitzen. Jenes einzigartige Aufblitzen der sehn-süchtigen Leidenschaft. Sie wollte mehr von ihm, als ihn nur anschauen, sie wollte mehr von ihm als die bloße Berührung, die bloße Betrachtung. Nein, sie gehörte nicht zu den platonischen Ästheten, die sich begnügen mit der Betrachtung. Sie wollte ihn fühlen, spüren, mit ihm spielen. Sie wollte ihn Einatmen, Inhalieren, wie man den Frühling inhaliert, wenn der Winter Abschied nimmt, wie man die reine Waldluft tief in sich hinein einsaugt, um berauscht zu werden von Borke und Harz. Sie wollte ihn ganz, nur für sich.
Er konnte ihr nicht widerstehen, er erlag ihr, ließ mit sich tun, wonach es ihr beliebte. Jedes Spiel wollte er mitspielen, jedes Spielchen mit sich treiben lassen. Ihre roten, ihre vollen, lustvollen Lippen berührten ihn, sie umschlossen ihn zärtlich und er spürte ihren Atem, er spürte die ganze Lust der Berührung. Er bekam kaum mehr Luft, so leidenschaftlich saugte und zog sie an ihm. Jetzt wurde er tatsächlich rot, doch sie hatte ihre tiefen Augen geschlossen, - wahre Seelenaugen waren es.
Er war Feuer und Flamme für sie, war entzündet, er glühte vor Leidenschaft, brannte. Ihre Lippen spielten lustvoll mit ihm. Ihre perlweißen, reinen Zähne berührten ihn zärtlich und gekonnt. Dann, gezielt und nur um ihn zur rauschenden Bewußtlosigkeit der Sinne treibend, fühlte er ihre Zunge. Was für eine Frau. Sie hatte ihn gekauft. Ja, er war käuflich, aber jetzt schämte er sich dessen nicht mehr, denn es war nur dieses eine Mal. Er wollte kein anderes Leben leben, kein anderer sein als der, der er jetzt war, nur um dieses einen Mals willen.
Es waren berauschende Augenblicke, nur wenige Minuten, doch für diese Minuten lohnte es sich wahrlich zu sterben. Nachdem sie ihre Lust befriedigt hatte, gestillt ihren Hunger nach ihm und an ihm, warf sie ihn weg. Aber selbst dieses Wegwerfen war wie ein Traum. Er glühte noch immer, war immer noch ganz und gar heiß, heiß wegen ihr alleine. Sie hatte in ihm etwas angerührt und aufgeweckt, zum erwachen gebracht, was keine andere hätte wachrufen können und was keine andere jemals wieder wachrufen werden kann. Dann langsam erstarb die Glut in ihm, das Feuer erlosch.
Er lag nun da.
Ausgebrannt lag er da.
Dennoch war er noch rot, gerötet, man konnte die Spuren des Lippenstifts erkennen.
Von da an beachtete ihn keine mehr.
Keine Lippen berührten ihn mehr.
Keine Finger tasteten nach ihm, ergriffen ihn.
Kalt war er.
Eiskalt wurde er, -
eiskalt der im Schnee liegende Zigarettenstummel.
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