Kleine Kreaturen! Halbe Menschen! Gnome! Sie alle stehen draußen auf der Straße und blicken ihm großäugig nach. Tja, ER sitzt tatsächlich in einem schicken Omnibus. Hinten versteht sich, also dort wo ER alles überblickt, alles unter Kontrolle hat, alles überwacht. ER schaut auch hie und da hinaus, aber den Menschen nicht in die Augen, denn Gewöhnlichkeit ist schließlich ansteckend. Wieder braust das Polizeimotorrad an ihm mit gewaltigem Gehäul vorbei. Niedlich wie sich diese Polizisten freuen, für ihn und die mit ihm fahrenden den Verkehr aufzuhalten, damit sie freie Fahrt durch die Hauptstadt hätten. Ja, ER wurde eskoriert und obwohl es das erste Mal war, hat ER sich bereits daran gewöhnt. Eigentlich sollte es immer so sein! ER war wichtig und deswegen auch alle die mit ihm in diesem Bus saßen. Zwei Polizeimotorräder, ein Polizeiauto vorne, ein weiteres dahinter, eine Limousine mit Blaulicht und dazwischen eben der Omnibus indem ER saß. Obwohl die Hauptstadt von Kulturreichtümer und Touristenattraktionen überquoll, aber heute, heute da ER in diesem Bus sitzt und von der Polizei eskortiert wird, da ist ER im Omnibus die Attraktion. Alle gaffen ihnen nach, alle kriegen ihr Unterkiefer kaum mehr hoch. Sie würden wohl annehmen, dass hier bessere, intelligentere, mächtigere und größere Menschen herumkutschiert werden, die sich eben von jeglicher Gewöhnlichkeit absetzten. Sie hatten recht! Ja, diesesmal hatte wirklich das gewöhnliche Volk auch mal recht, wenn es so dachte.
Mit einer rasenden Geschwindigkeit überschauten sie die Stadt, als elitärer Mensch, darf man sich nicht einmal zu lange mit den Schönheiten eines Landes abgeben. ER hatte eine Sendung zu erfüllen, da gab es kein banales, wenn vielleicht auch mal erholsames Innehalten. Sie schossen also hoch zum Präsidentenpalast. ER sollte vom Präsidenten empfangen werden, nicht vom Präsidenten des Gartenbauvereins, des Fußballclubs oder sonst irgendetwas, nein vom Staatspräsidenten. ER gehörte ja jetzt so zu sagen zu den World LeadERs. ER hatte eine enorme Verantwortung, eine gewaltige Bürde zu tragen. Ohne irgendwelche Kontrollen wurden sie in den Empfangsraum des Präsidenten geführt, sie standen wirklich einfach über allem und allen. Der Präsident wartete auf sie, er hielt seine Ansprache und er freute sich, wie er selbst sagte, einen jeden einzelnen im Anschluss zu begrüßen. ER wartete, als ER aber sah, dass der Präsident in seine Richtung kam zog ER sich zurück. Nein, irgendwie wollte ER ihn doch nicht grüßen. ER war nicht in der Stimmung ihm die Hand zu reichen, denn irgendwie war ER vom Präsidenten enttäuscht. ER hatte sich mehr von einem Leader erhofft, mehr erwartet. ER hätte es mit Sicherheit besser gekonnt. Nein, mit einem solchen Präsidenten hatte ER wirklich nichts gemein. ER verdankte die Stimme dem Volk, vielleicht noch einem geschmierten Parlament. ER war von Natur aus so. ER wurde so geboren. ER war ein Berufener. Irgendwann wird ER ein Großer sein. Nein, er wollte nicht, dass man die Knie vor ihm beugt, aber innerlich sollten alle vor ihm zerschmelzen, denn ER war eben ER, unvergleich und einzigartig! ER war LeadER!
Freitag, 3. Oktober 2008
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