ER arbeitet ungeheuer viel. Beinahe unüberschaubar sind die vielen Überstunden, die ER seinem Chef an jedem Monatsende für die Gehaltsabrechnung vorzuzeigen vermag. ER ist ein Workoholik. ER schont sich nicht.
ER ist immer in der Firma, ist immer da. Ständig geht sein Telephon, immer ist er am telephonieren, - auch fürs Geschäft. ER muß immer vor dem Computer sitzen, das verlangt sein Job. E-Mails da, Faxe dort, alles auf Kosten des Hauses, alles kann ER selbstständig erledigen. ER gönnt sich nur hie und da ein kurzen Päuschen mit Moorhuhnschießen und hält immer noch den internen Betriebsrekord. Nein, viel Zeit versäumt er damit nicht, und wenn schon: bei einem Schlechten schadet’s nicht und ein Guter holt es wieder ein. ER war ein guter Arbeiter.
Arbeit war für so manchen überhaupt das Wichtigste im Leben. ER hatte aber einen weiteren Horizont, ER sah über seinen Schreibtisch hinaus. ER arbeitete, wie bereits versichert, mit Leidenschaft und doch konnte ER auch sagen, daß Arbeit nichts anderes sei als die ätzende Unterbrechung der Freizeit, um dieselbe finanzieren zu können.
Die wirtschaftliche Situation ist angespannt. Jeder bangt um seinen Job. ER hat keine Angst. ER sitzt fest im Sattel. Das Mobbing hat bei ihm keine Chance, denn noch immer gilt Darwins Theorie vom „Survival of the fittest“. Einige mußten schon ihren sicher gewähnten Platz verlassen, weil ER nicht mit sich spielen ließ.
Wenn ER jemanden untätig herumhängen sieht, so meldet ER es immer gleich an oberster Stelle, - das ist Ehrensache. Denn wohin kommt ein Betrieb mit Menschen, die ihn nur aussaugen ohne etwas tun zu wollen? Wenn man Arbeitsplätze erhalten will, dann muß man schauen, daß ein Betrieb gesund ist. Will der Betrieb gesund sein, müssen Tagediebe und Faulenzer durch arbeitsgewillte und motivierte Menschen ersetzt werden. ER sieht alles bei den anderen, ihm entgeht nichts bei ihnen.
ER lebt für seinen Beruf, das weiß auch sein Chef. Immer wieder bringt sein Boss dies bei den Dankfeiern für angehende Pensionisten und Weihnachtsfeiern in seinen Ansprachen zum Ausdruck, wenn er zum Beispiel sagt: ER hat viel für uns getan! – ER könne stolz sein, was die Disziplin und die Arbeitsmoral in der Firma angehe! ER fürchtete es immer wieder dort zu stehen wo er stand, - im Zentrum.
Samstag, 20. September 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
2 Kommentare:
Es ist auch ganz schön gefährlich, im Zentrum zu stehen. Noch gefährlicher, wenn man andere aus dem Zentrum verscheucht, bzw. ihnen die Möglichkeit nimmt, jemals ins Zentrum zu kommen...(wenn man sie beispielsweise einfach "verrätschat" ;) )
Eins steht fest: ER ist cool -
ER hat selten eine so gediegene Kritik gelesen!
SIE muss auch cool sein!
Kommentar veröffentlichen