ER steht bei der Stammtischrunde im Zentrum, wenn rote Nasen sich mit Wissenschaft und Technik auseinandersetzen. Gentechnik, Klonen, Atomforschung, Biotechnologie, Computerchips, Solarenergie, Radargeräte, ferngesteuerte Lenkwaffen, Militärtechnologie insgesamt, Landwirtschaftstechnik und Großindustrieanlagen, mag kommen was mag, ER ist über alles eingängig und sachlich informiert.
Natürlich verschafft ein derartiger Wissensschatz nicht nur Freunde. Es gibt immer die Menschen die alles besser wissen müssen. Die Welt wird nie von solchen Menschen gänzlich frei sein, die immer das letzte Wort haben müssen. Hie und da hat ER Ekel vor diesen unwissenden Menschen. Es ist nur der Neid der Besitzlosen, die Qual der Ignoranz die ihnen auf die Leber drückt. Insgeheim wird ER von allen bewundert, flüsterte ihm seine Lebensabschnittspartnerin zärtlich ins Ohr. Sie mußte es wissen, denn sie sprach oft mit den Lebensabschnittspartnerinnen seiner Stammtischbrüder. Echte Freundschaft ist selbstlos, schaut nicht auf ihren Eigennutz, lehrte bereits der alte Aristotel. Mit solch edelmütiger Haltung gab ER sein Wissen weiter.
ER schnappt da und dort etwas auf, gab er denen zur Antwort, die ihn nach den Quellen seines Wissens fragten. Nur mir, den er wirklich ins Herz geschlossen hatte, vertraute er die Quelle seines Universalwissens an. Jede Woche gab es am Freitag eine Beilage in der Tageszeitung, neben vielen Neueigkeiten über die Celebrities, die neuesten Kinohits, den Kleingarten, die aktuellsten Modeschlager war da auch immer eine ganze Seite die sich der Wissenschaft und Technik gewidmet war. Es gelang dieser streng sachlich und wissenschaftlich recherchierenden Zeitung die schwierigsten Dinge auf einer Seite in rigoros fachwissenschaftlichen Bildern oder Grafiken darzustellen. Auch ER mußte sie des öfteren zwei oder dreimal durchlesen bis er sie verstand. Viele aber machten erst gar keinen Anlauf sich irgendwie seriös mit der Wissenschaft auseinanderzusetzen.
Ist das nicht zu einfach?, wurde ER einmal von einem stadtbekannten Gymnasialprofessor gefragt. Wahre Genies konnten die Dinge auch ganz einfach darstellen. Wer also Dinge einfach darzustellen vermag ist ein Genie. Ist doch Logisch. ER konnte auch die schwierigsten Dinge auf den Punkt bringen. Und neben solchen abgehobenen, träumenden Professoren, gab es dann noch, zu allem Überdruss, die notorischen Infragesteller jeglichen wissenschaftlichen Fortschritts, Zweifler die nicht glauben wollen, daß man der Wissenschaft glauben schenken kann und ihr auch Opfer zu bringen hat. Opfer bringen um des Fortschritts und Wohlergehens der gesamten Menschheit willen.
Unter anderem ärgert ER sich über die Kirche und bisweilen auch über die Grünen. Beide sind so manches Mal wie ein Bremsklotz, wie Sand im Getriebe. Erstere hat nichts aus der Geschichte gelernt; man denke nur an Galilei oder Darwin. Einmal wird sie es bereuen, daß sie gegen das Klonen war, daß sie gegen die verbrauchende Embryonenforschung war. Was ist ethischer?: Soll man die Embryonen massenweise sterben lassen oder sollen sie noch dem Heil der Welt, der Rettung vieler Kranker zu Hilfe kommen? ER ist überzeugt, daß diese Embryonen doch noch keine Menschen sind, die können ja überhaupt nicht denken und damit gar keine bewußte selbstständige Handlung vollziehen. Neben der Kirche gibt es da noch die Grünen. Natürlich sind sie aufgeschlossener als das urkonservative Rom, aber was sollen denn diese Kindereien mit Tierquälerei, Atomsperrzone, Regenwaldschutz, Weltmeerbewahrung etc. Dieses kleinbürgerliche Denken widert ihn an.
ER denkt langfristig: wir müssen jetzt forschen, egal was es auch kosten mag. Die Zukunft hat dann lange genug Zeit die kleinen Schrammen, die wir schlagen, wieder zu heilen. Schon in der Bibel steht, daß der Mensch die Welt sich untertan machen soll. Der Mensch ist noch immer im Garten mit Dornen und Disteln. ER möchte, daß die Menschen endlich damit beginnen aus dieser Wildnis das Paradies auf Erden erstehen zu lassen. ER ist der Meinung, daß die Zeit der helfenden Götter am abklingen sei, der Mensch ist endlich soweit evolutiert, daß er endlich sein eigener Herr zu werden vermag. Jeder, der mit einem wissenschaftlichen Auge die Welt betrachtet gleicht einem naturverstehenden Gotte, - ER auch.
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