Freitag, 26. September 2008

ER - Der wahre Freund

Freunde mit denen man Pferde stehlen kann sind rar geworden. ER hatte solche Freunde, ER war selbst ein solcher. Mit dreien seiner Kollegen war er nicht einfach nur richtig Freund, sie waren mehr als bloße Kumpanen, sie waren Brüder, - Stammtischbrüder. Gemeinsam waren sie die vier unbesiegbaren Musketiere. Zusammen eroberten sie seit ihrer Jugend die verschiedenen Gasthäuser, Kneipen, Bars und Diskotheken. Helden wie ihnen flogen die Girls automatisch in die Arme und so manche Party konnten sie durch ihre versagte Anwesenheit zum Scheitern bringen. Sie waren beliebt, geschätzt und begehrt, sie waren echte Trendsetter.
Gemeinsam halfen sie sich durch Dick und Dünn. Sie halfen sich bei den Arbeiten, bei Prügeleien, wenn das Kleingeld knapp wurde, bei der Brautschau. Sie hielten sich gegenseitig hoch, wenn einer abzurutschen drohte. Als wahre Freunde durften sie es nicht zulassen, daß einer der erwählten Runde abfalle. Das ewig Stabile waren die Freunde. Frauen waren Partnerinnen für eine bestimmte Zeit, einmal länger oder kürzer, – also Lebensabschnittspartnerinnen. Frauen fand ER immer, echte Freunde hingegen waren seltene Glückstreffer.
Als Freunde hatten sie alles miteinander: die Hobbys, den Geschmack bei Kleidern und Autos. Sie liebten dieselben Fußballmannschaften, lasen dieselben Zeitschriften und waren Fans derselben Musikgruppen. ER und noch einer hatten sich vor kurzem eine Harley gekauft. Die anderen beiden mußten noch sparen, denn die Alimente waren bei ihnen etwas höher.
Mit den Freunden war ER ein Glückspilz, keiner hatte so gute und treue wie ER. ER wünschte sich, daß man den Wert der Freundschaft neu entdecke: denn der wahre Freund übertraf, wie auch hier schon der alte Aristotel richtig sagte, Frau und Kinder.

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