Montag, 29. September 2008

ER - Der Don Juan

Mann und Frau sind füreinander geschaffen, das weiß bereits die mythenhafte Genesis zu berichten. Was Frauen anbelangt wußte ER alles, - denn ER hatte bereits viele. Schon seit seinen zarten Jugendjahren war er immer wieder auf Brautsuche. Immer wieder wurde er auch von einem neuen Frühling der Liebe übermannt. Ja, sein Leben war einem einzigen Frühling gleich und ER fühlte sich noch immer wie Zwanzig. Heute lächelt ER über seine längst überwundene Schüchternheit und Verklemmtheit, zumal überkommt ihn geradezu ein gewisses Reuegefühl darob. Seine Eltern waren zwar nicht vollkommen verschroben und doch waren sie noch von der alten Schule und erlaubten ihm erst mit Siebzehn, daß ER bei seiner Freundin schlafen durfte. ER wollte es mit seinen Kindern besser machen.
Frauen waren neben Autos, Motorräder und Freizeitgestaltung eines seiner Lieblingsthemen in den Unterhaltungen mit seinen Freunden. War einer gerade einmal solo, so machten sich die vier Musketiere gemeinsam auf den Weg, die richtige Frau für ihren Stammtischbruder zu finden. Wie viel Spaß hatten sie mit den Frauenwitzen. Wie gerne diskutierten sie Abende lang über die Stellung der Frau in der Gesellschaft, die Beziehung zwischen Mann und Frau und über die alttradierte 3K-Theorie.
ER konnte mit berechtigtem Stolz sagen, daß er für jeden seiner Lebensabschnitte die mehr oder weniger richtige Lebensabschnittspartnerin gefunden hatte. Wie ihm das gelang? Naturinstinkt, geschultes Auge und Lernen aus Fehlern, antwortete er mir. Etwas vom wichtigsten sei es für den Mann auf die Innerlichkeit der zukünfigten Partnerin zu achten. So müssen seine Frauen ihren eigenen Haushalt ordentlich schaukeln, ihren eigenen Mann im Beruf stellen, Kultur und Selbstdisziplin haben. Was ER unter Letzterem versteht, fragte ich ihn. ER verstand unter einer gesunden Selbstdisziplin, daß sie mindestens zwei- oder dreimal ins Fitneßstudio bzw. ins Wellnescenter ging, also regelmäßig etwas für ihr physisches und psychisches Wohlbefinden tat. Unter Kultur verstand ER, daß sie sich regelmäßig irgendwie weiterbildet, sei es durch das Lesen von hochstehenden Frauenzeitschriften, Büchern oder durch das Besuchen von Vorträgen und Seminaren. Wichtig war ihm auch das gesunde gesellschaftliche Leben seiner Partnerinnen.
ER fand aber auch die Äußerlichkeiten wie Figur, Schmuck, Make-up und Kleidung äußerst bedeutend. [Die ausführliche Schilderung des Aussehens und der Maße der für ihn in Frage kommenden Frauen wird hier übersprungen. Ich bitte den Leser um Verständnis. Einschlägigen „Fachzeitschriften“ ist in etwa derselbe Inhalt zu entnehmen.] Das Äußere ist ein Abglanz der Seele. Eine Frau die sich zu präsentieren verstand konnte auf keinen Fall niveaulos sein. Eine Frau die es verstand die richtige Kleidung zum gegebenen Anlaß zu tragen, konnte nur schwer falsch gehen, wenn es darum ging auch das passende Gesprächsthema zu finden.
ER ließ seinen Frauen immer die volle Freiheit, so wie ER dies auch für sich in Anspruch nahm. Eine fixe Bindung war ihm recht, solange sie nur nicht Anspruch auf Ewigkeit beinhaltete, - das wäre zu viel von ihm verlangt. Ehe empfand ER für eine überholte Institution in einer Zeit wo die Frauen gleichberechtigt sind, in einer Zeit, wo ihr Überleben nicht mehr von einem Wirtschaftsvertrag zwischen ihrem Mann und ihrem Vater abhängig ist. Einige Ultrakonservative schielten ihn bisweilen wie einen Verworfenen an, doch in ihrem Seelengrund waren sie nur eifersüchtig auf ihn, würden sie dasselbe tun, wenn nur mehr Herz in ihrer Brust schlagen würde.
Seine Großmutter – sie ruhe in Frieden – sagte ihm einmal, ER solle immer daran denken, ob die Frau, die er liebe, Mutter seiner Kinder sein könne. Das hat sie wohl noch im Religionsunterricht beim Pfarrer gehört. [ER lacht heftig.] Nein, ER dachte bei einer Frau nie an die Mutterschaft, genausowenig wie er bei sich an die Vaterschaft dachte; wichtig war, daß sie eine gute Partnerin für ihn, in seinem derzeitigen Zustand, mit seinen derzeitigen Hobbys und Plänen sein konnte. Versprach sie diesen Vorstellungen zu entsprechen war es eine gute Frau, wenn nicht konnte sie sich eine längere Beziehung mit Sicherheit abschminken.
Mit einem Großteil der Frauen, welche ER hatte, ist er noch immer befreundet. Sie sind ihm noch immer dankbar, daß ER einmal ihr Partner war, daß er so aufgeschlossen und großzügig mit ihnen gewesen ist.

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